Ackerbaustrategie braucht Verbindlichkeit & konkrete Ziele

Bio zeigt, wie naturverträglicher und innovativer Ackerbau funktioniert 

 

Berlin, 02.09.2020. Artensterben in der Agrarlandschaft und Schäden an Böden und Gewässer zeigen, dass ein Umsteuern drängt. Einen Beitrag dazu soll die Ackerbaustrategie liefern. „Da der Ackerbaustrategie substanzielle und überprüfbare Ziele fehlen, und damit jede Verbindlichkeit, wird sie nicht viel bewirken“, sagt Alexander Gerber, Vorstand für Landwirtschaft des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). „Mit dem Entwurf für die Ackerbaustrategie verpasst Landwirtschaftsministerin Klöckner die Chance, zu zeigen, wohin die Reise für eine Bewirtschaftung innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen gehen wird.“

 

Gerber spricht sich dafür aus, dass die Ackerbaustrategie die Ziele der europäischen Farm to Fork-Strategie stützt. Der EU-Plan zielt auf minus 50 % Pestizideinsatz, weniger Stickstoffdüngereinsatz sowie 25 % Öko bis 2030.

 

Auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibnitz Institutes für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) kritisieren die Vorschläge als unzureichend.[1] Sie geben zu bedenken, dass die Ackerbaustrategie dem ‚systemischen Charakter der Landwirtschaft in ihren Wechselwirkungen mit Umwelt und Gesellschaft nicht wirklich gerecht wird‘. Die Forschung moniert ferner, dass die Maßnahmen zu allgemein und unverbindlich seien. „Dabei ist nachhaltiger Ackerbau keine Zauberei“, sagt der Landwirtschaftsvorstand des Bio-Spitzenverbandes. „Allein eine verbindliche Festlegung auf Anbauabstände von Ackerkulturen über die gute fachliche Praxis Pflanzenschutz würde unmittelbar zu einem besseren Ackerbau führen.“

 

„Der Innovationstreiber Ökolandbau, der nahezu alle Aspekte der Ackerbaustrategie schon heute umsetzt, wird nur am Rande erwähnt“, wundert sich Gerber. Da auf Bio-Flächen weder chemisch chemisch-synthetische Pestizide noch Kunstdünger einsetzt werden, wäre es wirksam und nur logisch, Öko als Zielindikator in die Ackerbaustrategie aufzunehmen. „Bio muss zum Leitbild jedes modernen und enkeltauglichen Ackerbaus werden. Weil Bio heute schon funktioniert mit Blick darauf, was Öko-Bauern auf dem Acker für Artenvielfalt, Gewässer- und Bodenschutz leisten.“

 

Gerber fügt hinzu: „Es ist ermüdend, es immer wiederholen zu müssen. Mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur neuen Gentechnik sollen genau die Gemeingüter vorsorglich geschützt werden, deren Erhalt auch das Kernanliegen der Ackerbaustrategie ist.“ Fatal, dass im Entwurf der Ackerbaustrategie angedeutet wird, beim Urteil handele es sich um bürokratische Willkür. „Guter Ackerbau braucht keine Gentechnik, die Bauern abhängig macht von patentiertem Saatgut einer Industrie, deren Kerngeschäft es ist, Pestizide zu verkaufen.“

 

„Die Regierenden können Ökolandbau nutzen, der nachweislich und mit jedem Hektar genau die Leistungen auf dem Acker erbringt, die es braucht“, so der BÖLW-Vorstand abschließend. Anders werde Deutschland weder seine eigenen Ziele noch die EU-Ziele der Farm to Fork-Strategie erreichen.

 

 

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