Mitteldeutsches Bio-Branchentreffen 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Alexander Raths / fotolia.com

Das Bio-Branchen-Treffen bietet Erzeuger*innen, Verarbeitern und Vermarktern der Lebensmittelwirtschaft Mitteldeutschlands eine Plattform um über aktuelle Herausforderungen  des Bio-Marktes zu diskutieren und neue Partnerschaften zu etablieren.  Seit 2008 findet dieses Treffen auf Initiative der Ministerien, der Bauernverbände und der Verbände der Bundesländer Sachsen Sachsen-Anhalt und Thüringen statt.


Erfurt, 19.11.2018: Das 11. Mitteldeutsche Bio-Branchentreffen, ausgerichtet vom Thüringer Ökoherz und dem deutschen Bauernverband, befasste sich mit der Frage, wie eine regionale, ökologische Gemeinschaftsverpflegung gelingen kann. Nach einem Tag mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, internationalem Besuch und interdisziplinärem Austausch wurde deutlich: Nicht nur der Einkauf, auch die Einstellung muss sich ändern.

 

Es herrscht geschäftiges Treiben in der Kantine des Regierungsviertels. Wo sich normalerweise müde Menschen neben dem Kaffee das erste belegte Brötchen des Tages holen, treffen sich heute Vertreter*innen der mitteldeutschen Bio-Branche um genau darüber zu sprechen: Die Gemeinschaftsverpflegung in Großküchen. Nicht nur in Ämtern, sondern auch in Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen sehnt man sich nach gutem Essen. Hier könnte man den Absatz ökologisch erzeugter Produkte vervielfachen und gleichzeitig den Alltag genussvoller gestalten. Die Reihen sind gefüllt mit denen, die es in der Hand haben: Akteur*innen aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Bildung, Politik und Verbänden. Die Thüringische Landwirtschaftsministerin Birgit Keller sieht die Verantwortung vor allem bei den Verbraucher*innen, die eine biologische, regionale Verpflegung nachfragen müssen. Dementgegen stehen die Erfahrungsberichte derer, die eigene Initiativen gründen müssen, um der Bürokratie und der Skepsis des Küchenpersonals zu trotzen. Dabei zeigt unser kleines Nachbarland Dänemark, dass es möglich ist. Hier tragen bereits 2.300 Großküchen ein  Bio-Siegel. Natürlich sind die Strukturen Dänemarks nicht unbedingt auf Deutschland übertragbar, eine goldene Regel gilt allerdings über die Grenzen hinweg: Nicht ersetzen, sondern umdenken! Einzelne Produkte einfach von nun an in Bio-Qualität zu kaufen, verursacht tatsächlich hohe Mehrkosten. Viel effektiver: Eine Umstellung in den Köpfen. Wenn wieder simpler, saisonaler, kreativer und fleischärmer gekocht wird, ist das nicht nur besser für die Umwelt und unsere Gesundheit, sondern auch eine Entlastung für den Geldbeutel. Denn Convenience Food ist zwar bequem, aber auch teuer. Ganz ohne finanzielle Hilfsmittel geht es allerdings nicht: Für Weiterbildungen, Equipment und den Aufbau langfristiger Partnerschaften muss Geld in die Hand genommen werden. Dass die Entscheidung dafür nicht allzu schwer fallen sollte, zeigt ein Blick auf unser Gesundheitssystem: Allein in der Bundesrepublik haben wir täglich 1 Milliarde Euro Gesundheitsausgaben. Eine unvorstellbare Summe. 20% dieser Kosten entstehen aufgrund ernährungsbedingter Krankheiten. Das sind 200 Millionen Euro, die aufgrund von Fehlernährung aufgebracht werden müssen – und das jeden Tag. Die Rechnung könnte einfach sein, aber da sich alle nur in ihrem Rahmen bemühen, ist die Schlussfolgerung meist: Die anderen ziehen nicht mit. Das Bio-Branchentreffen setzte dem eine Plattform entgegen, mittels der man in den Dialog treten und gemeinsam Lösungen erarbeiten konnte. Dass das notwendige Basisarbeit ist, zeigt folgende Situation: Wilm Dühring, Referatsleiter für Agrarmarketing, ökologischen Landbau und nachwachsende Rohstoffe, sagt in der Diskussionrunde, dass die politischen Weichen mit dem ÖkoAktionsplan gestellt sind, es aber an Akteur*innen fehlt, die sich dieser Thematik annehmen wollen. „Hier!“, „Hier!“, „Und hier auch!“ ruft es aus den Reihen, gefolgt von wohlwollendem Lachen. Der Wille ist von vielen Seiten da. Das Wichtigste ist jetzt: Dranbleiben.


Programm 19.11.2018


freigebene Tagungsbeiträge


Thema

Bio-Branchentreffen


Datum / Uhrzeit

19.11.2018
09.30 - 16.00

Adresse

Kantine im Regierungsviertel
Werner-Seelenbinder-Straße 8
99096
Erfurt

Veranstalter