Fortbildung zum Berufsspezialist für ökologischen Landbau: Ein Erfahrungsbericht

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Es ist Mittwoch der 26. Februar 2020. Die 14 Teilnehmer*innen der Fortbildung zum ‘Geprüften Berufsspezialist für ökologischen Landbau’ sind in der Bildungsstätte Gera für den ersten Zwischentest zusammengekommen. Ich bin auch dabei. Nicht als Teilnehmer, sondern um als Praktikant meine Kolleginnen vom Thüringer Ökoherz e.V., dem Initiator der Fortbildung, zu unterstützen. Ich nutze außerdem die Gelegenheit, um noch ein paar Meinungen der Teilnehmer*innen über die Fortbildung zu sammeln. Kurz bevor der Test los geht frage ich Simon Berger, einem gelernten Zimmermann, welcher sich inzwischen in der Landwirtschaft selbstständig gemacht hat, wie er sich gerade fühlt. „Ich mach mich da nicht verrückt“, meint er selbstsicher.

 

 

“Dieser Zwischentest hat nichts mit der Abschlussnote zu tun”, erklärt Sabrina Möbius, welche die zweistufige Fortbildung Anfang letzten Jahres von Seiten des Thüringer Ökoherz konzipiert hatte. “Es geht viel mehr darum, den Teilnehmer*innen die Möglichkeit zu geben, für sich selbst zu prüfen, wie gut sie die Inhalte bisher aufgenommen haben.” Von Sabrina erfahre ich auch, dass die eigentlichen Abschlussprüfungen der ersten Stufe, bestehend aus drei Teilen, erst Anfang 2021 anstehen. Neben einem schriftlichen Teil wird es dann auch eine Hausarbeit und ein Verkaufsgespräch geben. Das Thema der Hausarbeit darf frei gewählt werden und das Verkaufsgespräch kann auch auf dem eigenen Hof und mit den eigenen Produkten stattfinden. „Ein klarer Vorteil“, sagt Simon Berger, „so ist es nicht nur eine Leistungsüberprüfung sondern nutzt auch dem eigenen Betrieb“.

 

Nach bestandener Abschlussprüfung der ersten Stufe erhalten die Teilnehmer*innen das staatlich anerkannte Zertifikat „Geprüfter Berufsspezialist für ökologischen Landbau“. Dieser Abschluss entspricht Niveau 5 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) und berechtigt zur Teilnahme an einer zweiten Stufe der Fortbildung, der zum „Fachagrarwirt für Ökologischen Landbau“ (Niveau 6 DQR). Ute Baumbach, die auch für das Thüringer Ökoherz an der Fortbildung arbeitet, erklärt mir dass diese Abschlüsse gerade für Quereinsteigende wichtig seien. Viele Fördermittel würden nur ausgezahlt, wenn die Betriebsleiter oder -leiterinnen einen offiziell anerkannten Abschluss im landwirtschaftlichen Bereich haben.

 

Zum Zeitpunkt des Zwischentests in Gera haben bereits fünf der insgesamt 14 Module stattgefunden. Los ging es im September 2019 mit einem dreitägigen Grundlagenmodul zum Ökolandbau. Darauf folgten Module zur Betriebswirtschaftslehre, Rinderhaltung, Schaf- und Ziegenhaltung und Vermarktung. In den folgenden Monaten werden Module zur Geflügelhaltung, Imkerei, zum Obstanbau, Ackerbau, und Gartenbau stattfinden. Außerdem werden Betriebswirtschaftslehre und Vermarktung jeweils nochmal vertieft. Dieses modulare Format ist speziell an die Bedürfnisse von Vollerwerbstätigen angepasst: Jeweils ein Modul pro Monat, Donnerstag bis Samstag, bestehend aus Vorträgen der Dozent*innen, Gruppenarbeiten, und Exkursionen zu Akteuren der Biobranche. Der Veranstaltungs- und Übernachtungsort ist jeweils unterschiedlich und dem jeweiligen Thema angepasst.

 

Beispielsweise fand im Dezember 2019 das Modul zum Thema Schaf- und Ziegenhaltung, bei dem auch ich dabei war, im Biohotel und Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn bei Creuzburg statt. Während uns die Donzentinnen Christel Simantke und Silvia Ivemeyer, beide sowohl Schaf- und Ziegenhalterinnen als auch Dozentinnen an der Universität Kassel, das Thema artgerechter Tierhaltung behandelten, konnten wir durch die Fenster des Veranstaltungsraums den Zottelrinder auf der Winterweide beim Grasen zusehen. Von der Qualität des Biolammfleisches der im Stiftsgut gehaltenen Lacaune-Schafe konnten wir uns dann auch direkt während des Mittagessens überzeugen. Der Ort war also eine gute Wahl für dieses Modul- das fanden auch die 14 Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

 

Gruppenarbeit zum Thema Stallbau Exkursion zum Hof Rösebach

Während der drei Tage in Wilhelmsglücksbrunn konnte ich einiges über sie erfahren. Alle Teilnehmer*innen sind aktuell in der Landwirtschaft tätig. Unter ihnen gibt es Hofeigentümer und Angestellte, konventionell- als auch bereits ökologisch Wirtschaftende, Tierhalter*innen und Gemüsebäuer*innen, welche vom Familienbetrieb und Quereinsteigende. Die meisten leben in Thüringen, der*die eine oder andere nimmt aber auch einen weiteren Weg in Kauf. Freude an den Lernaktivitäten schienen alle zu haben. So war zum Beispiel die Stimmung während der Futtermittelanalyse mithilfe der Sinne – jede*r hatte die Hausaufgabe eigenes Winterfutter mitzubringen – ausgesprochen heiter. Auch während der Exkursion – wir besuchten den Biohof Rösebach im Nachbarort Ifta – schien das winterliche Regenwetter die Neugier unserer Gruppe nicht zu beeinträchtigen. Eigentümer des Hofes Frank Burkhardt und Mira Kuhlmann sind mit 400 Thüringer-Wald-Ziegen derzeit Deutschlands größter Halter dieser vom Aussterben bedrohten Rasse. Im Stall, umgeben von der blökenden Milchtierherde, konnten wir sehen, wie artgerechte Kleinviehhaltung in der Praxis erfolgt. Fragen, die während der Vorträge am Morgen aufgekommen waren, konnten so direkt an die Bäuer*innen gestellt werden.

 

Futterprobe mit Hilfe der Sinne

 

Zurück im Stiftsgut füllten am Ende des letzten Tages alle Anwesenden die Teilnehmerumfragebögen aus. In der Geschäftsstelle des Thüringer Ökoherz e.V. zeigt sich Colin Elsbernd, Mitarbeiter im Landwirtschaftsbüro, erfreut über die Informationen, die er durch die anonymen Rückmeldungen erhält: Bisher schienen die Teilnehmenden mit den ausgewählten Dozent*innen und deren Didaktik überaus zufrieden. Vereinzelt gäbe es natürlich auch Kritik. Das sei auch gut, so Colin Elsbernd, schließlich gebe konstruktive Kritik dem Thüringer Ökoherz e.V. und auch den Dozent*innen die Möglichkeit die Qualität der Fortbildung zu verbessern. Insgesamt überwiegt in dem Moment aber der Stolz: “Die überaus positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden – 90.5 % sind im Durchschnitt insgesamt ‘eher’ oder ‘vollkommen’ zufrieden mit den bisher stattgefundenen Modulen – bestärken uns in unserer Annahme, mit diesem Bildungsangebot einen Volltreffer gelandet zu haben.“

 

Qualität der Fortbildung laut Teilnehmerumfrage

 

Während in Gera noch der Test läuft, frage ich meine Kollegin Sabrina Möbius was die Ergebnisse der Teilnehmerumfrage für die Zukunft der Fortbildung bedeuten. „Wir wollen die Fortbildung natürlich nochmal anbieten. Da sind die positiven Rückmeldungen ein gutes Argument gegenüber dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, welches die Fortbildung aktuell fördert. Mehr als die Hälfte der aktuellen Teilnehmer*innen möchte außerdem auch an der zweiten Stufe der Fortbildung – zum geprüften Fachagrarwirt – teilnehmen. Wenn wir zunächst die erste Stufe wiederholen, haben wir dann mit Sicherheit genug Teilnehmer*innen für die zweite Stufe.“

 

Ich möchte noch weitere Fragen zu den Rahmenbedingungen der Fortbildung stellen, doch unser Gespräch wird durch Simon Berger unterbrochen, der als erster mit dem Zwischentest fertig ist. „Wie geht es dir jetzt hinterher?“, frage ich ihn. „Ich bin erleichtert. Ich kann jetzt besser einschätzen was ich mir nochmal anschauen muss“. Sabrina scheint zufrieden mit dieser Antwort. „So haben wir uns das gedacht“.

 

Hier gibt es allgemeine Informationen zur Fortbildung.

 

Autor:
Josua Münch
Praktikant beim Thüringer Ökoherz im Rahmen seines MSc Studiums
November 2019 – März 2020